Praktisches             

Vorbemerkung

Nach einer knapp 20jährigen, nur von wenigen scharfen Einbrüchen unterbrochenen und zuletzt von einer Technologie- und insbesondere Interneteuphorie getriebenen Hausse platzte im Frühjahr 2000 die Blase an den globalen Aktienmärkten. Zwar ließen sich mit börsennotierten Unternehmensbeteiligungen auch danach durchaus Geschäfte machen, doch erwiesen sich die Kursbewegungen in dieser Vermögensklasse seit dem Platzen der Blase zur Jahrtausendwende trotz aller folgender temporärer Aufs und Abs im Durchschnitt und über die gesamte Zeitstrecke hinweg bis heute rein nominell betrachtet bestenfalls als Nullsummenspiel, real, also inflationsbereinigt betrachtet jedoch als Verlustgeschäft. (Achtung: Dies und alles Folgende schrieb ich Ende 2011. Inzwischen – Februar 2015 – mag diese Behauptung bei einem DAX-Index-Stand von über 11000 Punkten auf Sie irritierend wirken. Bitte bedenken Sie in diesem Zusammenhang aber, dass es sich beispielsweise beim DAX um einen Performance-Index handelt. "Das heißt" – und hier zitiere ich der Einfachheit halber einen anderen Autor – "in die Berechnung fließen nicht nur die Kursentwicklungen der 30-Daxmitglieder ein, sondern auch die jährlichen Gewinnausschüttungen. Dabei werden die Dividenden wie Reinvestitionen behandelt. Damit notiert der deutsche Leitindex nun gut 37% über den Tops von 2000 und 2007. Die Deutsche Börse berechnet den Dax aber nicht nur als Performance-Index, sondern auch als reinen Kursindex. Und hier sieht das Bild völlig anders aus. Konkret: Der Dax-Kursindex erreichte sein All-Time-High am 7. März 2000 bei 6.266 Punkten. Bislang hat der Dax-Kursindex dieses Niveau nicht mehr erreicht. Aktuell notiert der Kurs-Dax bei 5709 Zählern, also ca. 10% unter dem Niveau von vor fast 15 Jahren!" Und in dieser Betrachtung fällt sogar weg, dass selbst ein DAX-Kursindex, welcher seinen Höhepunkt im Jahre 2000 wieder erreichen würde – im April 2015 war es endlich soweit: nach 15 Jahren und einem Monat erreichte auch der DAX-Kursindex wieder seinen bisherigen Höchstand –, aufgrund der inflationären Entwicklung an Kaufkraft weniger "wert" wäre als damals ...) Aktien bewegen sich, wie an den einschlägigen weltweiten Indices leicht festgestellt werden kann, in vielen Regionen also nach wie vor im Baisse-Zyklus und bescherten dem durchschnittlichen Anleger, dessen "Boote" in der Regel mit der Flut steigen und mit der Ebbe leider auch entsprechend sinken, im vergangenen Jahrzehnt statt des erhofften Zuwachses oder wenigstens Erhalts – klammert man die wie den Zins zu betrachtenden Dividenden einmal aus – also Reduzierungen seines Vermögens. Es gibt keinen Grund, auszuschließen, dass die intakte Aktienbaisse noch etliche Jahre andauert, vielleicht sogar eine volle weitere, zweite Dekade; eine solche Vermutung speist sich nicht nur aus den Gefahren, die der Realwirtschaft weltweit durch die momentane Krise des Finanzsystems drohen, vielmehr stünde sie zugleich auch im Einklang mit den historischen Erfahrungen hinsichtlich der zeitlichen Bandbreiten primärer Hausse- und Baisse-Zyklen von an Börsen gehandelten Unternehmensbeteiligungen.

Im Sommer 2007 platzte die Blase auf den Immobilien- und Hypothekenmärkten in den USA, die zuvor durch das bewusst inflationäre Handeln der politischen Administration und der Notenbank (FED) der USA verschärft worden war. Das Öffnen der Geldschleusen und die Politik des billigen Kredits sollte die schädlichen Folgen der geplatzte Blase auf den Aktienmärkten verhindern bzw. kompensieren, der institutionelle Kampf gegen die Auswirkungen der einen geplatzten Blase trug also erheblich zur Erzeugung einer zweiten bei. Die von den US-amerikanischen Immobilien- und Hypothekenmärkten ausgehende Krise griff auf Europa über und wurde zum Startpunkt für die Verwerfungen, die sich inzwischen zu jener Banken- und Staatenkrise entwickelten, von der neben Japan insbesondere die führenden Staaten der westlichen Hemisphäre (USA, Groß-Britannien, Eurozone) – wenn auch mit wechselnden Vorzeichen – betroffen sind.

Was nun noch fehlt, ist das Platzen der dritten Blase, das Platzen der – von einer marktmanipulativen Kartellpolitik des Niedrig- und Niedrigstzinses getriebenen – Anleihenblase. Im Moment (Stand dieser Niederschrift, wie oben schon erwähnt: Ende 2011) ist diese Blase – von den quasi bankrotten, nur durch Drittstaaten und supranationale Institutionen am Leben gehaltenen Ländern an den Eurozonenrändern wie Griechenland einmal abgesehen – trotz aller einen anderen Eindruck erweckenden politischen Debatten um Sparanstrengungen, Begrenzungen der Neuverschuldungen und anderer Schuldenbremsen noch immer am Wachsen. Die Dimension dieses anhaltenden Wachstums öffentlicher und privater Schulden erhält ihren wesentlichen Treibstoff durch die Versuche von Staaten inklusive derer – offiziell meist als unabhängig deklarierten – Zentralbanken, die finanziellen Krisen, an deren Verursachung sie über ihre auch in der Vergangenheit bereits inflationär ausgerichteten Politik ja maßgebend beteiligt waren und in die hineinzuschlittern sie inzwischen selbst im Begriffe sind, gleichwohl so "in den Griff" zu bekommen, dass möglichst kein Beteiligter mit "Systemrelevanz" Schaden nimmt – weder der Politik- noch der sie unterstützenden Finanzelite es also "weh" tut. An der Gemengelage aus staatenübergreifenden "Rettungsschirmen", "Stützungsmaßnahmen" und "Stabilisierungsmechanismen", wie sie mittlerweile speziell für die Eurozone kennzeichnend und der spezifischen Konstruktion dieses Währungsraums geschuldet ist, zeigen sich beispielhaft die irrational anmutenden, in ihrer Logik aber unerbittlichen Konsequenzen eines Vorhabens, Schulden- und Überschuldungsprobleme auf Staaten- und Bankenebene mittels Erzeugung von gigantischen zusätzlichen Schulden zu "lösen". Das Pottpourri dieser Strategie in Stichpunkten: 1. Übernahme von Bürgschaften und Haftungen für Kredite der am Markt nicht mehr kreditwürdigen Euro-Staaten durch jene Euro-Staaten, die zurzeit noch kreditwürdig sind und mit ihrem jeweiligen eigenen nationalen Steueraufkommen und ihrer Fähigkeit zur weiteren Kreditbeschaffung künftig gegebenenfalls für die mit ihren Bürgschaften und Haftungen unterlegten Kredite geradezustehen haben, falls letztere von den kreditierten Drittstaaten nicht bedient werden; 2. Stützung jener am Markt nicht mehr kreditwürdigen Drittstaaten darüber hinaus durch die Zufuhr von "frischem", kreditgeschaffenem Geld seitens der noch kreditwürdigen Euro-Staaten, weil der Kollaps der von künstlichen Infusionen von außen abhängigen Staaten in einer Kettenreaktion via Kollaps der an wertlosen Staatsschulden überversorgten europäischen Bankenwelt die noch kreditwürdigen Staaten andernfalls selbst in die Tiefe risse; 3. Bereitstellung von Krediten in unbegrenzter Höhe zu Niedrigstzinsen zugunsten der europäischen Bankenwelt durch das System der Europäischen Zentralbank, wobei letzteres die zur Verfügung gestellten Kredite selbst mittels eigener Geldschaffung per digitalen Tastendruck erzeugt; 4. zeitgleich ohne den Umweg über den europäischen Bankensektor auch direkte, zeitlich unlimitierte Ankäufe maroder Staatsschulden seitens des Europäischen Zentralbank-Systems, auch hier mittels eigener Geldschaffung per digitalen Tastendruck (elektronischer Buchungsvorgang); und daneben – nicht zu vergessen –, 5. die Verlagerung alter eigener Schulden sowie auch Schulden notleidender Banken in nationale Schattenhaushalte und sogenannte (vom Steuerzahler aufzufangende) "bad banks"; sowie 6. weitere Aufschuldung (also zusätzliche Neuverschuldung) schon auch zum Zwecke der bloßen Aufrechterhaltung des eigenen nationalen Haushalts und dessen fortlaufenden Betriebs. Diese Pyramide aus Verschuldung und Aufschuldung, die zur Bekämpfung drohender Überschuldung auf Umverteilung von Altschulden und Aufnahme weiterer Schulden in und zwischen den Staaten- und Bankensektoren setzt, mag, wie erwähnt, durch die spezifische Konstruktion der Euro-Währungsunion und darüber hinaus durch den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, in der die Probleme dieses Währungsraums momentan stehen, in ihrer Logik vielleicht besonders grotesk erscheinen, ist so einzigartig tatsächlich jedoch keineswegs. Denn: Auch wenn man es angesichts der Heftigkeit und Einseitigkeit der in den Medien fast nur auf die Finanzprobleme der Eurozone konzentrierten Diskussion kaum glauben möchte: Die Defizite der staatlichen Haushalte Japans, der USA und Groß-Britanniens übersteigen jene in den meisten Ländern des Euro-Raums und die Finanzierung dieser Defizite wie auch die finanzielle Stützung der einschlägigen, andernfalls vom Konkurs bedrohten Häuser der Großfinanz durch das Aufnehmen zusätzlicher Schulden (bewerkstelligbar auch hier meist nur mehr durch das digitale Drucken entsprechend neuer Gelder durch deren nationale Zentralbanken) werden als inzwischen zur Norm gewordenen Politik der "quantitativen Lockerung" insbesondere im anglo-amerikanischen Raum gleichwohl weit offensiver und mit weniger "Skrupeln" orchestriert denn in den zurzeit noch unter dem restriktiveren "deutschen Einfluss" stehenden sogenannten Kernländern der Eurozone. So lässt sich in allen genannten Wirtschaftsräumen die Bereitschaft der politischen Souveräne und ihrer Zentralbanken feststellen, die Integrität der eigenen Währungen zu opfern. Nicht nur im Interesse ihrer "Anleihen-Spekulanten", sondern auch im Interesse der eigenen Macht, deren Überleben von der Akzeptanz ihres fortgesetzten Schuldenmachens per Umschuldung und Aufschuldung durch neue Anleihen abhängt. Wie lange diese (auch von "Experten" kaum mehr überschaubaren und durch Finanzkriege wie den des anglo-amerikanischen Systems gegen die Eurozone zusätzlich befeuerten) Prozesse andauern, welche Verlaufsformen sie noch annehmen und wie sie im Detail enden werden, weiß mit Gewissheit niemand. Erkennbar ist einzig der klare politische Wille, einen Schuldenabbau nach marktkonformen Regeln zu verhindern. Weder soll die schmerzhafte Korrektur einer wirtschaftlichen Depression zugelassen werden noch sollen die unternehmerischen und politischen Risiken von jenen getragen werden, die für den Aufbau der Schulden verantwortlich waren und sind. Gewinne zu privatisieren, entstehende Verluste aber zu sozialisieren – dieser Grundsatz zeigt sich hier in seiner vollen Härte. Zur "alternativen" "Bereinigung" der inzwischen erreichten Schuldenstände in den USA, Europa und Japan bleiben deshalb nur folgende Optionen übrig:
- Ein über einen langen Zeitraum anhaltend hohes Wirtschaftswachstum in den betroffenen Regionen (das wagen jedoch nicht einmal die optimistischsten "Beobachter" für die kommenden Jahre vorherzusagen) 
- Fiskalische Eingriffe in private Vermögen, um über den Weg der direkten Besteuerung und darüber hinaus beispielsweise auch über die Kürzung erworbener "Besitzstände" wie Rentenansprüche usw. die aufgebauten staatliche Defizite für eine Weile zu sanieren 
- Eine hohe Preisinflation, die die alten Schulden im "System" nachhaltig entwerten würde, freilich damit auch die diesen Schulden gegenüberstehenden Guthaben der Gläubiger sowie auch sämtliche anderen geldwerten Ansprüche, seien es von Rentnern, Versicherten oder anderen (diese Form der kalten Enteignung zeichnet sich als die wahrscheinlichste Folge der Flutung der Märkte mit aus den digitalen Druckerpressen der Zentralbanken erzeugten Geldern ohnehin bereits ab)
- Schuldenschnitte und Insolvenzen, auch Staatsinsolvenzen und Währungsreformen, die Schulden und Guthaben und sonstige Ansprüche entwerten (je nach Art von Schuld, Guthaben und Anspruch möglicherweise in unterschiedlicher Höhe) und die sich im Übrigen als der politische Abschluss der dritten Option, als die Beendigung einer vorhergehenden hochinflationären Phase erweisen können.
Da die erreichten Schuldenniveaus das Wirtschaftswachstum lähmen und der Wille zur Inflationierung ungebrochen ist, spricht einiges dafür, dass die Entwicklung in Richtung einer Kombination der Optionen zwei, drei und vier geht.
Auf welchem Wege auch immer: Falls die Politik der Aufschuldung eines Tages an ihre Grenze stößt und die Überschuldung der politisch und finanziell relevanten Systeme de facto eingestanden werden muss, würden die Konsequenzen alles bisherige in den Schatten stellen – allein wegen der im Rahmen der Globalisierung und Vernetzung zunehmend fehlenden Autarkie der Wirtschaftsräume und der Dimension der bis dahin angehäuften Schuldmengen (deren Kehrseite, auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, die dann schlagartig als wertlos sich erweisenden Guthaben der Gläubiger sind). Die Gefahr für Ihr Eigentum und Vermögen, so groß oder klein es auch sein mag und in welche Sach- oder Geldwerte Sie es auch immer investiert haben mögen, sind folglich immens. Dies ergibt sich nicht nur aus der Logik der Kettenreaktion finanzieller Zusammenbrüche im Großmaßstab. Vielmehr kommt hinzu, dass, wie oben erwähnt, die Gefahren eben nicht etwa nur aus reinen Marktbewegungen resultieren (auch wenn dies aus offensichtlichen Gründen politisch gerne so gedeutet wird), sondern selbst politisch induziert sind und über die diversen Strategien der Krisenbewältigung fortlaufend verschärft werden. Es wäre von daher verhängnisvoll, wenn Sie erst bei einem tatsächlichen und als solchen offiziell eingestandenen Kollabieren staatlicher und finanzieller Systeme mit möglichen Schäden an Ihrem Eigentum und Vermögen rechneten. Vor nationalen oder international abgestimmten Maßnahmen wie etwa Schuldenschnitten oder gar Währungsreformen, unter welchen Titeln solche oder weitere Maßnahmen dann auch immer publiziert und unmittelbar umgesetzt werden, dürften zu Zeiten, die inzwischen vielleicht gar nicht mehr allzuweit von uns entfernt sind und in denen "Schreckensszenarien" wie die soeben stichwortartig genannten anders als vielleicht heute längst nicht mehr ganz so einfach als bloßes Produkt von "Schwarzmalerei" oder gar "Untergangsprophetie" abgetan werden können, Vorläufer-Instrumente aus dem Handwerkskasten der großen Politik hervorgeholt werden – spätestens dann, wenn die teils inflationären, teils deflationären Konsequenzen der bisherigen Strategien der Krisenbewältigung offen zu Tage treten und auch im eigenen Land die eine oder andere schmerzhaftere Wunde schneiden. Politik gilt zwar gemeinhin als phantasiereich, sie greift im Zweifelsfall aber doch immer wieder auf das schon in der Vergangenheit Bewährte zurück. Zinskontrollen (in der politisch gewollten, marktwidrigen Niedrigstzinspolitik sind deren faktische Anfänge ohnehin schon gelegt – Anmerkung im Februar 2015: Angesichts der aktuellen Null- und Negativzinspolitik des weltweiten Zentralbankenkartells kann von bloßen "Anfängen" im Zusammenhang mit Sparer, Anleger und Guthabenbesitzer enteignenden Zinskontrollen inzwischen nicht mehr die Rede sein), Kapitalverkehrskontrollen zum Zwecke der Verhinderung der freien Beweglichkeit privater Gelder, die Einführung von Zwangsanleihen und Zwangshypotheken und andere Maßnahmen des "Lastenausgleichs" und der "sozialen Gerechtigkeit", auch ein eventuelles Verbot von Gold im Privatbesitz... Stichworte wie diese zur Erinnerung an die traditionellen Folterinstrumente politischer Instanzen, die zu ihrem eigenen Machterhalt zu allem bereit sind, müssen an dieser Stelle genügen. Welche dieser "Instrumente", zur erhofften Abwehr eines sonst drohenden endgültigen Zusammenbruchs, eingesetzt werden und in welcher Reihenfolge, und welche neuen, womöglich bisher tatsächlich noch nicht erfundenen Ergänzungsmaßnahmen – wohlgemerkt vor (!) dem erst später für breitere Kreise offensichtlichen Kollaps – "demnächst", und sei es "erst" in ein, zwei oder drei Jahren, auf die Tagesordnung kommen, wird sich weisen. Doch von einem sollten Sie schon heute ausgehen, weil es zu den Grundlagen politischer Willensbildung von oben gehört: Kaum je werden Sie den wahren Zweck und die wahre Begründung dieser Maßnahmen aus Politikermund hören und den Medien entnehmen; erwarten Sie nicht, dass geklingelt wird, damit das Volk seine Augen öffne und die Zeichen an der Wand sehe und deute – im Gegenteil: wenn ich eine Prognose abgeben darf, dann diese: dass die dann zirkulierenden Begründungen, Ziele und Diskussionen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit teils an den Neid von sich zu kurz gekommen fühlenden Schichten, teils an den Idealismus und die Opferbereitschaft der Allgemeinheit apellieren werden. Lassen Sie sich mit meinem kleinen Schwenker auf die Fallstricke und Raffinesse politischer Terminologie aber nicht den Blick auf das Eigentliche verstellen: Dass es Ihre Lebensgrundlage ist, Ihre persönliche – auch finanzielle – Sicherheit, Ihr Erarbeitetes und Ihr Erspartes, Ihr Sie, Ihre Familie und Angehörigen schützendes Eigentum, das auf dem Spiel steht und das Ihres scharfen Nachdenkens und Ihres Handelns bedarf, falls Sie die Absicht haben, Ihr Eigentum auch dann zu wahren, wenn das "System" (die politischen Souveräne, die angehängten supranationalen Bürokratien und die großen Finanzhäuser) im Interesse der eigenen "Rettung" Nägel mit Köpfen macht.

Was tun

Wie kann man sich auf schlechte Zeiten vorbereiten? Achtung: Es wäre ein Irrtum zu glauben, zur Lösung dieser Frage gäbe es ein Patentrezept. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen, in denen die Staaten in der ganzen Welt sich mit den Folgen der Schuldenexplosionen auseinanderzusetzen haben, ist jedem mit größter Vorsicht zu begegnen, der behauptet, er wüsste, wie das private Vermögen des einfachen Bürgers geschützt, ja durch geschickte Handhabung womöglich sogar narrensicher vermehrt werden kann – misstrauen Sie solchen teils aus Naivität und Eitelkeit, teils aus Berechnung vorgetragenen Träumereien, wie sie insbesondere in einigen "systemkritischen" Nischen unserer Gesellschaft verbreitet werden, keinen Deut weniger als jenen Vorstellungen, die Sie beruhigen und glauben machen möchten, ernsthafte Sorgen wären überflüssig, weil in der Welt der Banken und Politik das Wohlergehen der einfachen Menschen angeblich an erster Stelle stünde und dort auch in besten Händen sei. Wenn Karl Valentin, ein Münchner Komiker der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, in seiner unnachahmlichen Art einmal sagte, Prognosen seien schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, dann gilt das umso mehr für die weitere Entwicklung fragiler, instabiler Zustände. Beschleunigung ist ein Charakteristikum von Krisen, die Situation kann sich in ein oder zwei Jahren schon ganz anders darstellen als heute, weshalb neben dem Einbezug von verschiedenen Szenarien mit mehr oder weniger hohen Wahrscheinlichkeitsgraden Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit statt eines statischen, "ewig gültigen" Konzepts erforderlich ist. Zum anderen müssen Strategie und Ziele eines finanziellen Vorgehens immer individuell zugeschnitten sein – nach Alter, Beruf, Mentalität und Größe und Struktur des vorhandenen Vermögens. Folglich gibt es nicht nur kein zeitlos gültiges Konzept, sondern ebenso wenig ein gleichermaßen "für alle" gültiges – Aufgabe eines jeden ist es vielmehr, aus seiner – gegebenenfalls auch familiären – Situation heraus und unter Berücksichtigung der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse einen ganz persönlichen, praktikabel wie vernünftig erscheinenden Weg für sich zu erarbeiten.

Immer notwendig ist allerdings ein Grundlagenwissen über die Finanzmärkte, wie sie funktionieren und welche Chancen und Risiken den einzelnen Anlageklassen innewohnen. Wie letztere – in einer konkreten Situation – sich darstellen, was von ihnen erwartet werden kann und was nicht, wie sie einzuordnen und zu gewichten sind, hängt stark von den politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen und deren Veränderungen ab. Darum ist es ein Muss, dass Sie sich regelmäßig auch über die einschlägigen Nachrichten und Themen auf dem Laufenden halten. Wobei angesichts der täglichen Flut an Informationen, Meinungen und Analysen bei der Wahl geeigneter Quellen und Dienste weniger (aber Qualifiziertes und Fundiertes) ganz sicher "mehr" ist.

Bevor ich die wesentlichen Anlageklassen aus meiner Sicht erörtere – und das ist der Hauptzweck meiner Schreiberei auf dieser Seite –, möchte ich doch noch einige Grundsätze herausstellen, die ich für "ehern" erachte und die zu beherzigen für jeden sich lohnen sollte:
1. Unterscheiden Sie die rein nominellen Veränderungen Ihres Vermögens von dessen realen Veränderungen. Inflationsgetriebene Preisänderungen können dazu führen, dass Sie sich zwar "auf dem Papier" reich(er) rechnen, an Wert oder Kaufkraft gleichwohl verlieren. Gewöhnen Sie sich bei jeder Rückschau oder "Bilanzierung" an, den "(Geld)Wert" von all dem, was Sie besitzen, stets mit dem zu vergleichen, was Sie sich in diesem Moment dafür kaufen könnten. Ist über eine bestimmte Zeit hinweg die Kaufkraft Ihres Eigentums gestiegen, gleich geblieben oder gar gesunken? (Je nach deflationären oder inflationären Entwicklungen in verschiedenen Preissegmenten kommen da ganz interessante und möglicherweise sehr ernüchternde Ergebnisse heraus.)
2. Der inzwischen verstorbene Altbörsianer André Kostolany wird oft mit der Aussage zitiert: Merken Sie sich, die Bank ist nicht Ihr Freund! Schlaue Zeitgenossen ergänzen diesen "meisterlichen" Spruch inzwischen mit folgender Provokation: Der Staat – also die uns alle beherrschende Ordnungsmacht – ist nicht Ihr Freund (stelle vielmehr, siehe hierzu auch meine eigenen Anmerkungen weiter oben, in diesen Jahren sogar die größte Bedrohung für Ihr Eigentum dar)! Im Grunde ist diesen Warnungen vor allzu viel Zutraulichkeit nichts hinzuzufügen. Nur das eine noch – vielleicht: Auch ein klein wenig Misstrauen den eigenen Emotionen gegenüber schadet gelegentlich nicht (Stichwort: Angst, Panik, Gier). Wenn Sie mit diesen "(dreimal)klugen" (in der Sache aber keineswegs falschen) Sprüchen positiv etwas anfangen können, haben Sie einen ersten kleinen inneren Grundstock dafür, nicht unbedingt jeden begehbaren Fehler selber begehen zu müssen, bevor Sie ihn als solchen auch erkennen.
3. Verzetteln Sie sich nicht, halten Sie die Bausteine Ihres Vermögens überschaubar, beschränken Sie sich auf die wirklich wesentlichen Dinge. Vor allem kümmern Sie sich zuerst um eben diese wesentlichen Dinge, bevor Sie – falls Sie eine entsprechende Neigung dazu haben – mit einem klar definierten Rest, den Sie im Zweifelsfall ohne große Schmerzen auch verlieren können, zu "spielen" beginnen.
4. Folgendes gilt ganz besonders für Menschen, die sich in Gelddingen als konservativ und "sicherheitsbewusst" verstehen: Es gibt keine Anlageklasse ohne Risiko. Das schließt auch die wieder in Mode gekommenen Sachwerte ein. Auch Immobilien. Auch Gold. Auf der anderen Seite ist nicht jedes "geldwerte" Vermögensgut, nur weil es ein bloßes Zahlungsversprechen ist, also mit dem Risiko eines Schuldnerausfalls behaftet und in sich ohne matriellen (sog. 'intrinsischen') Wert, per se sinnlos und zu meiden. (Auch hierauf komme ich weiter unten nochmals zu sprechen.)
5. Diversifizieren Sie! Das ist schon deshalb geboten, weil es verschiedene Bedürfnisse gibt, die Sie befriedigen wollen. Das Gebot, nicht alles auf eine Karte zu setzen, ergibt sich darüber hinaus aus der Einsicht, dass man als Normalsterblicher nie genau und bis in die Verästelungen hinein wissen kann, was kommt... Wer hier anderer Ansicht ist, (auch) dem wünsche ich viel Glück. Alle anderen müssen sich mit der ernüchternden Erkenntnis abfinden, dass sie nur über die Aufteilung ihres Vermögens auf verschiedene risikobehaftete Vermögensgüter ihr Gesamtrisiko – hoffentlich – etwas minimieren, ganz einfach weil a) keine Anlageklasse "das" Anheilmittel für jede denkbare Situation ist, jede nach Art und Grad vielmehr unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt sein kann, b) es mehr als nur ein Szenario mit einer gewissen Eintrittswahrscheinlichkeit gibt und jedes Szenario ein anderes Verhalten erfordert. Daraus folgt leider, dass Sie aus dem Bewusstsein handeln und damit auch leben können müssen, dass ein Teil dessen, was Sie tun, sich als falsch oder zumindest als überflüssig erweisen kann – denn sobald Sie sich wenigstens halbwegs auf Dinge, Entwicklungen und Situationen vorbereiten wollen, denen Sie eine gewisse Wahrscheinlichkeit zubilligen, die sich aber gleichzeitig teilweise widersprechen oder gar ganz ausschließen, dann werden Sie eben auch Widersprechendes oder später als unnötig sich Erweisendes tun, und das aus einer 'höheren' (kaufmännischen) Vorsicht heraus. Das ist die Kehrseite der so schön klingenden Weisheit: Nicht alles auf eine Karte setzen. Je größer das Vermögen, umso wichtiger ist die sorgfältige, optimale Gewichtung / Aufteilung auf unterschiedliche Anlageklassen.
6. Letzteres ist im Übrigen Teil einer Arbeit, die niemand für Sie kostenlos erledigt, es sei denn als Mitglied Ihrer Familie oder ähnliches. Professionelle Dienstleister wollen bezahlt werden, ohne dass sie eine Garantie auf Erfolg bieten (können). Wer diese Arbeit dagegen selbst leistet, weiß von der Härte und der Disziplin, die sie erfordert. Vielleicht auch von den Sackgassen und Selbstzweifeln, die sich immer wieder einmal auftun. Und er zieht womöglich trotzalledem oder gerade deshalb eine innere Befriedigung aus seinem Tun. Und erarbeitet sich – quasi als Gratispackung obendrauf – mit der Zeit so manchen Einblick in all das, was – frei nach Goethe – unsere Welt im Innersten (wenn auch eher im Handfesten denn im Esoterischen) zusammenhält.
7. Vielleicht kennen Sie Reden wie die folgende, dass in jedem Risiko auch eine Chance stecke und gerade in Krisenzeiten die größten Vermögen geschaffen würden. Ich will das nicht bestreiten. Und selbstverständlich freut es auch mich, wenn sich mein Einsatz ganz unmittelbar, gemessen in Geld, gelegentlich lohnt. Dennoch: Meine Welt ist eine andere. Nicht alles, was ich tue, betrachte ich unter dem Gesichtspunkt der kurzfristig nachweisbaren "Rendite". Mein Credo – ohne dass ich den Beweis dafür antreten könnte – geht eher in die Richtung, dass sich auch auf der Ebene der Sicherung der eigenen Lebensgrundlage manches eines Tages als klug, nützlich oder sogar als notwendig für das eigene Überleben erweisen könnte – nicht unbedingt erweisen muss! –, was über einen langen Zeitraum zuvor in keiner Weise als etwas in Zahlen ausdrückbar Profitables sich darstellen ließ.
8. Was kann man also tun, um sich auf schlechte Zeiten vorzubereiten? Vielleicht das Wichtigste – und weil es unmittelbar nichts mit "Geld" zu tun hat und darum im Folgenden auch nicht mehr erwähnt wird – zum Schluss und ganz besonders hervorgehoben ein kleiner Blick in die Geschichte. Schaut man sich die Schicksale der Menschen in Zeiten der Krisen, Unsicherheiten und harten Umbrüche an, dann fällt immer wieder auf, dass, egal wie schlimm die Zeiten auch waren, es die Familien und Freunde gewesen sind, die immer wieder helfend und unterstützend beigestanden haben. Und so ist unabhängig davon, was wirklich auf jeden einzelnen von uns zukommt, die eigentliche Lehre, die wir aus den Sorgen um die nähere Zukunft ziehen können, die Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig in unser aller Leben ist: Die Familie, die Freunde und der soziale Kontakt zu anderen Menschen.

Die Anlageklassen (ein lexikalischer Grundriss)

Bei der Konzeptionierung dieser privaten Webseiten hatte ich geplant, an dieser Stelle vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Finanzmarkt- und Banken- und Staatsverschuldungssituation die wesentlichen Anlageklassen kurz zu skizzieren und hinsichtlich ihrer Tauglichkeit zu beleuchten. Das bedeutete nicht nur Arbeit, sondern ... eine Arbeit, die Menschen heutzutage höchstens für sich und ihre Lieben kostenlos leisten. Andernfalls sind sie hierzu zurecht nur gegen Geld bereit. Ein klein wenig Realismus bei aller privaten Spielerei, zu der ich mich sonst gerne hinreissen lasse, tut auch mir gut – weshalb ich meinen anfänglichen Plan nicht ausführe und meine großen und kleinen "Weisheiten" mal besser für mich behalte. Wer wirklich von mir was wissen will, kann sich ja melden.