Über mich             

Die Daten meiner Geburt:

Ort: München (Deutschland), Lindwurmstraße 2a.
Zeit: 27.11.1953 um 22 Uhr 25.

Dürre Angaben für die einen, doch ein Eldorado an Material zur Ausdeutung zumindest der Grundkonstellation meiner Person für astrologisch Gebildete. Jedenfalls nach Eigenauskunft. 
Allerdings: Ich glaube nicht, dass unter diesen heute als esoterisch Verschrienen ein anderes Gesetz gilt als auch unter Ingenieuren, Bürokraten, Handwerkern, Ärzten, Anwälten, Händlern, Priestern, Künstlern und Dieben: Die Leistungen sind trotz gleicher Berufsbezeichnung ungleich, zeitigen daher in aller Regel Ergebnisse, die sich nicht über einen Kamm scheren lassen. Es sei denn, die modernen Vertreter der ehemaligen Königin aller Wissenschaften und Künste verwenden zwecks Ersparnis ihrer wertvollen Zeit und Rationalisierung ihrer Produktivkraft zur Interpretation der Daten ausnahmslos dieselbe auf dem Markt erhältliche Software.

Doch bevor ich die Kritik mir zuziehe, nur über andere statt über mich herzuziehen:

Viele Jahre später erfuhr ich, dass ich aufgrund obiger Daten im chinesischen Jahr der Schlange das Licht der Welt erblickte, was mir damals sehr imponierte. Denn wie ich las, schreiben die alten Chinesen der Schlange immerhin zu, mächtig und weise zu sein. Und damit konnte ich mich identifizieren. Nicht dass ich glaubte, über diese Eigenschaften zu verfügen, aber ich wünschte es mir... So wie ich auch bald schon Gefallen an meinem Namen fand: Richard... und seiner althochdeutschen Bedeutung: reich, stark... Sehen Sie die Überschneidungen? Mächtig, weise, reich, stark – wer könnte da nein sagen? Und als ich als Junge meinen Namen von hinten nach vorne buchstabierte und die Ähnlichkeit zwischen D–r–a–h–c–i–r und D–r–a–c–h–e herausfand und mir bewusst wurde, als welch starkes und verehrungswürdiges Tierwesen der Drache seit jeher schon in China gilt, erschien mir all das als mehr als ein bloßer Zufall. Macht und Weisheit, Reichtum und Stärke und eine geheimnisvolle Verbindung meines Wesens mit dem alten China, durch letzteres also in meiner irdischen Existenz auch ein nicht voll enträtselbares Verwobensein von Occident und Orient – können Sie erahnen, welche Sprengkraft das für meine dunklen Träume schon als Heranwachsender hatte? Kenner könnten hier einwenden, dass Schlange und Drache auch in der (nord)europäischen Mythologie eine bedeutende Rolle spielen, doch verband ich, ohne einen letzten rational akzeptablen Grund hierfür angeben zu können, meine Identifikation mit den genannten Tierwesen intuitiv immer mit dem gelben, fernöstlichen Reich der Mitte. Dabei verlief mein äußerliches Leben von Kindesbeinen an eher in 'geregelten' Bahnen: Zunächst wurde ich schon wenige Monate nach meiner Geburt (da mein Vater der Ansicht war, dass meine Mutter mittels Wiederaufnahme ihrer Erwerbsarbeit durchaus etwas zur Finanzierung des familiären Lebensunterhalts beitragen könne statt sich auf die Aufgaben Hausfrau und Mutter zu beschränken) tagsüber in die Obhut katholischer Nonnen gegeben, die mir auf meinen wenigen Kinderfotos mit ihren gewaltigen gestärkten weißen Hauben wie vom Himmel herabgestiegene Engel entgegenblicken. Krippe, Kindergarten, Hort – dieser Karriere setzte ich ein Ende, indem ich eines Tages einfach von der Schule direkt nach Hause ging. Scheidungskinder gelten ja allgemein als selbstbewusst, was ich nicht nur durch das Fernbleiben vom Hort bewies, sondern – ab einem gewissen Reifetag – auch durch meine Weigerung, meine eine Tante weiter beim sonntäglichen Kirchgang zu begleiten (die andere, die noch religiösere von beiden, kochte und ging statt Sonntag schon samstags zur Messe). Nachdem ich durch den Besuch des Gymnasiums meinen Vater schon einmal enttäuscht hatte (wozu brauchte der Sohn das Gymnasium, wenn er das kleine Bauunternehmen fortführen sollte), enttäuschte ich ihn nach dem Abitur ein zweites Mal durch die Wahl meiner Studienfächer. Neuere deutsche Literatur, Neuere Geschichte und Politische Wissenschaften zeigten eindeutig, dass ich nicht aus demselben Holz geschnitzt zu sein schien. Auch ohne väterlichen Segen und väterliches Geld machte ich meinen Magister Artium und fasste auch beruflich Fuß, indem ich andere Leute im Hinblick auf ihr Studium und ihre Berufswahl beriet. Irgendwann, längst verheiratet, hatte ich die Schnauze voll von den fremdbestimmten beruflichen Zwängen und ein bisschen Geld auf die Seite gelegt (nicht in den Sparstrumpf gesteckt), weshalb ich das Risiko einging, einen Schlussstrich zu ziehen und aufs Land zu ziehen. In eine Gegend, die andere als „Bayrisch Sibirien“ bezeichnen und in der Nordlichter und andere Sparfüchse gerne urlauben. Ein kreativer Ausstieg, da Kreativität darin besteht, Altes zu zerstören, um Neues schaffen zu können. Ich jobbte, mähte Rasen, beauftragte Handwerker, wenn am Haus was nicht stimmte, malte, zeichnete, verkaufte sogar ein paar Blätter und bewegte mich in einem Landleben, das von kulturellen Höhepunkten gezeichnet war: Maibaumaufstellen, Schmalzlerfest, Christbaumversteigerung. Mit einem künstlerischen Werk, einem abstrakten Ölgemälde, als Geschenk erfüllte ich den Wunsch meiner nach einem Dreivierteljahr erfolgreichen Immobilienmaklerin. Jetzt war der Weg frei nach Bremen. Dort begann ich – wieder – zu schreiben, knüpfte als einer, der einst aus Liebe zur Literatur u. a. auch Germanistik studierte hatte, nach vielen Abwegen an einen meiner Urwünsche an und ließ meine anderen Interessen dennoch nicht los. Die Literatur ist mir nicht alles und dasselbe kann ich über alles andere, womit ich mich beschäftige, sagen. Was machen Sie? Das ist eine jener Fragen, die, wenn sie mir jemand stellt, um mich quasi in eine erste bequem verschließbare Schublade stecken zu können, mich darum auch stets ratlos macht. Was ich mache? Wer ich bin? Die vorgestanzten Antwortmöglichkeiten, diese doch so einfach erscheinenden und vom Fragesteller gewöhnlich ja auch erwarteten Ein-Wort-Antwortmöglichkeiten wie Ingenieur – Polizist – Talk-Show-Master – Stadtrat – Matrose stehen mir nicht zur Hand. Ach, wie beneide ich Faust, den Goethe einst sinngemäß sagen ließ: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust... Wären es nur zwei! Doch interessiert sich die auf schnelle Kategorisierung zielende Frage, was das Gegenüber sei oder mache, ohnehin nicht für die Seele...

Nicht dass ich es mir grundsätzlich bequem machen wollte in meinem Leben. Aber gewährte mir irgend eine gute Fee tatsächlich einmal die Erfüllung dreier Wünsche, vielleicht bäte ich als erstes einfach mal um Fragen, die ich jedem gerne beantworte.

Fragen, die ich jedem gerne beantworte:

(Wer weitere Fragen hat, am linken Rand bitte Menüpunkt „KONTAKT“ anklicken)

Wovon lebst du?
Im Ernst – das frage ich mich oft selbst. Jedenfalls nicht vom Schreiben.

Hmm... Geht's nicht etwas konkreter?
Na ja, ich bin kein Mafiosi, wenn du das meinst. Oder ein Berliner oder Brüsseler Abgeordneter, der seine Nebeneinkünfte zusätzlich zu den monatlichen Diäten lieber im Dunkeln belässt. Und im Unterschied zu den gerade genannten "Einkommensbeziehern", deren Ehrenwertigkeit ich auf keinen Fall in Zweifel ziehen möchte, lebe ich bescheiden und ja, ehrlich, wie man so schön sagt.

Und das geht?
Momentan sehr holprig, angesichts der Börsenlage... (Achtung: Der aufmerksame Leser könnte einwenden, dass sich viele Aktienmärkte derzeit in der Nähe ihrer Höchstpunkte bewegen. Ihm sei zum besseren Verständnis gesagt, dass dieses Interview wohl Ende 2008 / Anfang 2009 stattgefunden haben dürfte. 27.8.2014)

Na, dann will ich mal nicht noch länger in deinen Wunden herumstochern. Eine ganz andere Frage: Deine Lieblingsmusik?
Oh je. Du willst es mir wohl partout nicht einfach machen? Ich fürchte, das Spektrum ist zu groß, um es auf einen Nenner zu bringen. Klassische Sachen wie Bach, Bruckner, Brahms, Mahler und solche Leute gehören auf jeden Fall dazu, auch wenn ich von denen dann wochen- oder gar monatelang gar nichts höre. Ganz besonders – gerade auch in der Klassik – mag ich das 'klassische Lied', denk an die Schubert-Lieder, speziell die 'Winterreise', genauso aber auch moderne Liedermacher wie z. B. Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros. Und weil ich gerade zwei Österreicher genannt habe, müssen schon aus Gründen der Ausgewogenheit auch zwei aus Bayern her, deren Lieder ich neben manch anderem sehr gern höre: Georg Ringsgwandl und Christoph Weiherer. (Und nicht zu vergessen Willy Michl und Peter Jacobi, aber damit wäre ich schon bei Nr. 3 und 4.) Aber egal von wem und aus welcher Zeit, Lieder sind mir seit meiner Jugend wichtig, auch wegen der Texte, Voraussetzung: die sind gut. Und dann höre ich halt gerne Musik aus allen Ecken der Welt, egal ob spanisch, portugiesisch, italienisch, afrikanisch, südamerikanisch oder sonstwoher. Will ich was Englisches bzw. Amerikanisches hören, geht das Ganze natürlich sehr einfach: ich muss nur irgendeinen Radiosender einschalten. Übrigens, bevor ich es vergesse: 'Stubenmusi', wie man sie in Bayern nennt, hab ich, seitdem ich am Nordrand der Alpen einen kleinen Zweitwohnsitz habe, auch für mich ganz neu entdeckt, nicht zu verwechseln mit der sogenannten Volksmusik der Fernsehanstalten...

Warum hast du das Zeichnen und Malen aufgegeben?
Weil mir der Biss fehlt, wirklich gut darin zu werden.

Welches Buch hat dich in deinem Leben am meisten beeindruckt?
Ich glaube, ich hätte mir einen anderen Fragesteller aussuchen sollen! Nicht ein Buch, Bücher generell haben mich beeindruckt, geprägt, und im Laufe meines Lebens ganz unterschiedliche. Ich kann keines hervorheben, ohne die Leser dieses Interviews nicht auf falsche Gedanken zu bringen. Wenn ich mal die typischen Kinderbücher weglasse, dann waren mir als Heranwachsender Bücher wie die von Siegfried Lenz, Heinrich Böll, irgendwie auch Günter Grass wichtig, später dann Bertolt Brecht. Ziemlich unterschiedliches Kaliber. Und, um bei den monströseren, weniger harmlosen Werken zu bleiben: Ich las als Junger auch Karl Marx. Später Arthur Schopenhauer. Aber was heißt das schon. Die, die ich jetzt gerade genannt habe, würden sich beide im Grab herumdrehen, wüssten sie, dass sie zusammen in einem Atemzug genannt werden. Ich weiß, deine Frage zielt auf was anderes, darum meine Antwort vielleicht so: Zu jedem Zeitpunkt meines Lebens gab es – neben Menschen – auch Bücher, die mir in diesem Moment etwas ganz Spezielles gaben und dazu beitrugen, dass ich mich zu dem Menschen entwickelte, der ich inzwischen bin. Und meine Entwicklung halte ich für keineswegs abgeschlossen.

Und heute? Welches Buch faszinierte dich zuletzt?
Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes. Moment... inzwischen sind wohl noch zwei, drei weitere hinzugekommen...

Was, Spengler? Sowas liest du?
Würde dir auch gut tun.

Hmm. Mal eine andere Frage: Glaubst du an die Wiedergeburt?
Wenn Du meinst, mich öffentlich vorführen zu können, musst du früher aufstehen.

Nein, im Ernst, ich beschäftige mich mit solchen eher esoterischen Fragen zurzeit sehr: Kannst du dich an frühere Leben erinnern?
Na, gut. Einverstanden. Aber enttäuschen muss ich dich trotzdem: Napoleon war ich nicht. Andrerseits – und schon interessant, dass du mich danach fragst: Irgendwann, ich glaub in den frühen 90ern, tauchte in mir tatsächlich ein Bild auf, da hatte ich sofort das Gefühl, dass ich das mal war: Ich seh mich auf einem Berg sitzen, ich „weiß“, dass der – also der, in dem meine Seele früher steckte – in China ist, ein mildes warmes Sonnenlicht bestrahlt den Himmel und die Szenerie, und ich sehe mit den Augen dieses – im Übrigen alten – Mannes auf die umliegenden Bergketten, Hänge und Täler. Es ist ein sehr friedliches Bild, es gibt keine Menschen in meiner Nähe, ich tu nichts und spreche nichts. Ich schau nur und bin damit zufrieden. Sehr zufrieden sogar.

Toll! Du warst also mal ein Chinese? Ein Einsiedler…
Das dachte ich auch lange! Vielleicht stimmt's sogar. Aber jetzt muss ich dir noch was beichten: Anfang dieses Jahrtausends nahm ich mal an einer Meditationsübung teil – na ja, selbst sowas probierte ich kurz in meinem früheren jetzigen Leben oder wie ich das ausdrücken soll mal aus – und da "sah" einer der Teilnehmer in der Gruppe in mir einen alten Japaner. Stell dir das vor! Ich will den Zinober dieser Übungstechnik hier nicht weiter ausführen, das führte zu weit. Aber das mit dem alten Japaner, den derjenige in mir sah, überraschte mich doch schon sehr. Seitdem denke ich, dass ich womöglich gar kein Chinese war, sondern stattdessen vielleicht einer gewesen sein könnte, der aus Japan kommend sich später in China niederließ und sozusagen als japanischer Migrant, wie man heute sagen würde, in seiner neuen Heimat beschloss, hoch auf einem der chinesischen Berge vor einem wunderbaren Panorama die letzten Jahres eines ebenso bescheidenen wie beschaulichen Lebens zu genießen.

Aber...
Bitte frag mich jetzt nicht, wovon der lebte!

Ach... weißt', als Esoteriker wäre ich auf so eine Frage gar nicht gekommen...
Dann bin ich es wohl, der jetzt mal kräftig 'hmm' machen darf.

Nein, lass mich bitte ausreden. Also: Es heißt doch, nach fernöstlicher Theorie, dass man nur wiedergeboren werde, solange man noch eine Aufgabe zu bewältigen habe, die man in seinen bisherigen Leben noch nicht gelöst hätte. Also irgendwelche Fehler zu bereinigen hätte, die einem unterlaufen wären, mal ganz platt ausgedrückt. Während der Chinese oder Japaner, in dem deine Seele mal hauste, mir schon ziemlich erleuchtet erscheint.
Findest du? Ja, so dachte ich auch mal. Danke übrigens für das Kompliment in puncto Erleuchtung. Ich gebe zu, dass ich mit diesem Bild von meinem Bild in mir auch lange Zeit sehr zufrieden gewesen war. Na ja, sogar etwas stolz auf meinen Vorgänger. Bis mir auffiel, dass der Mann, der ich vielleicht mal war, ein durch und durch Tatenloser war und von der Welt der Menschen völlig zurückgezogen. Falls der Chinese oder Japaner ein Meister war, dann jedenfalls keiner, den andere als solchen auch anerkannten, jedenfalls weiß ich in meinem Bild nichts davon. Möglich, dass das ein sehr „westlicher“ Einwand von mir ist – aber vielleicht verbirgt sich in diesem Gedanken die Aufgabe jener armen Seele, die nun in mir haust? Falls es so ist, wird sie, fürchte ich, wohl wieder wiedergeboren werden müssen … denn auch ich habe es bisher nicht geschafft, dass man in mir einen „Meister“ erkennt. Aber immerhin: Ich fliehe die Menschen nicht! Noch nicht ganz, jedenfalls…

Aufregend. Nun aber zurück zu den Leistungen in deinem jetzigen Leben. Bitte beende folgenden Satz: Mein Buch „Perfekte Welt – Lyrik: prosaisch“ sollte man lesen, weil...
…wie einer behauptet hat, ihm mit den Instrumenten der Germanistik nicht beizukommen ist. Ich möchte hinzufügen: Die Gedichte darin eine kleine Zuflucht sein können, deinen Geist und deine Empfindungen bereichern wollen, wie jede gute Literatur.

Welche Menschen, welchen Charakter bewunderst du am meisten?
Den, der seine Irrtümer erkennt und zu ihnen steht – sie darum ablegt.

Wer oder was wärest du gerne, wärest du nicht der, der du bist?
Unabhängig. Unangreifbar.

Falls es soweit kommen sollte – welche Henkersmahlzeit würdest du dir wünschen?
Den Gefallen werde ich niemandem tun.